Herzlich Willkommen bei der Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet.

Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, das Brauchtum der Villinger Fasnet mit Beiträgen und
Veranstaltungen zu bewahren und zu fördern.

Schemeobed

 

Fazit vom Schemeobed: Schemen - Reich - lich

 

Wiederum veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft Villinger Fasnet am letzten Freitag im Jägerhaus ihren traditionellen Schemeobed.
Zunächst stand das Foulard des Narros im Vordergrund. Karl Hoch trug aus Geschichte und Bedeutung des Foulards vor.
Er wies nach, dass zwischen 1805 und 1822 ein Villinger Narro zum ersten mal ein Foulard, befestigt an seinem Rollenriemen,
getragen haben muss. Seitdem war das Foulard ein nicht mehr vom Narro zu trennendes Zierrat.

Karl Haas zeigte anschließend anhand von Bilddokumenten die Befestigung des Foulards. Eindeutig konnte belegt werden,
dass das Foulard von Beginn an, am kleinen Rollenriemen oberhalb der Schnalle befestigt wurde.
Er ging auch auf die Tragweise des Foulards ein. Hierbei zeigte er auf, dass das heute vielfach getätigte Hinausheben des Foulards
vor 1939 gänzlich unbekannt war.

 


So sah ein Narro aus dem Jahr 1927 aus. Ein Vorbild!

 

Erst in den 1960er Jahren kam diese Marotte auf und fand immer mehr Nachahmer - zum Leidwesen des Brauchtums.
Karl Hoch erzählte anschließend einige Geschichten und Rabbediizle von der Villinger Fasnet aus den Jahren 1860 bis 1935.
Nach diesen kleinen Vorträgen standen nur noch Schemen im Mittelpunkt. Zuerst wurden von ihm zwei verstorbene weitgehend
unbekannte Schemeschnitzer vorgestellt.
Zum einen war es Richard Ade (1911-1994) der zwar nur wenige Schemen schnitzte, doch ist interessant, dass sein Großvater der
berühmte Kasper Seppel war. Seine Portraitscheme, die 1938 von Friedrich Moser geschnitz wurde, konnte von den begeisterten
Anwesenden bestaunt werden.
Besondere Beachtung fanden anschließend Schemen des Beindrechslers und Schemenschnitzers Josef Leute (1831-1904).
Drei Schemen, die er um 1870 herum geschnitzt hatte, fanden großen Nachhall.
Als weiterer Höhepunkt folgte der sogenannter 3er-Schlag. Hierbei waren jeweils drei Grundtypen: Narro (Glatte), Suribel und
Murbili von 24 verschiedenen Schnitzern zu bewundern. Eine beeindruckende Vielfalt der Villinger Schemenkultur.
Dazu machte Karl Hoch tiefgreifende Ausführungen über Art und Weise, wie man Schemen anschauen könne. Wichtig sei, dass
man sich am Charakter des jeweiligen Schementyps orientiere.
Den Abschluss bildete eine offene Schemenrunde. Jetzt hingen Schemen aus drei Jahrhunderten an den Wänden. Hierbei wurde
deutlich, dass es vor allem bei den älteren Schemen schwierig ist, sie ihrem Hersteller zuzuordnen. Sehr erfreulich ist es,
dass es auch heute Schemenschnitzer gibt, die den alten Vorbildern nacheifern.
Den Gästen, die Schemen für diesen Abend mitbrachten, sei gedankt, denn so wurde es ein Abend mit unvergesslichen Eindrücken.

 

Wir wünsche Euch e schene Fasnet 2010!! Juhuu!!

 

De Narro und si Foulard

S Foulard isch e Accessoar, also e Beiwerk vom Villinger Narro. Merk ders - e Beiwerk - und nit e Hauptsach!
S wird so zimlich mittig, meist a de kleine Rollerieme abunde. So kas schen neb de Masch rabhänge.
Scho uff em älteste Bild vo me Villinger Hansel usem Johr 1822 hät er e Foulard trage.
Guggt mer de Narro hit ze Dag aa, no fallt om uff, dass er no e Foulard drait, aber nimme so wie früher und wa
no schlimmer isch - wa er demit macht.
Uff deutsch: E lätze H a n d h a b u n g.
Wa hoeßt des?
Zum Oene wird s Foulard nimme - fast mittig - bi de Masch, sondern vil wiiter links z.B. am große Rollerieme fescht gmacht.
Zum Andere wered hit ze Dag mit em Foulard Sache gmacht, die om an en spanische Torero oder an en schweizer Fahneschwinger
erinnered.
Des hitig Nushebe vom Foulard isch vor 1939 unbekannt gsi. Erst i de 1960er Johr isch die Marotte uffkumme und hät mit de Ziit
immer meh Nochäffer gäe. Mer hät jo welle zu de Moderne ghöre.
Uff alte Postkarte, Bilder und Fotos us em letzen Johrhundert, bsunders zwische de 20er und 50er Johr sieht mer, dass s Foulard
genau so trage worre isch, wie s mer s uff de älteste Darstellung vo me Villinger Narro sieht. Die Darstellung stammt us em Johr 1822.
E paar Bilder vom Vortrag zeige mer jetzt.

 

Bild 1:


Di älteste Abbildung wird z. B. uff ere Schnapsflasch, sogar farbig, zoegt. Im Original isches e Lithoraphie.
Und wooo isch s Foulard festgmacht ? Des mue do für älle dees Vorbild sii !!!

Bild 2:


Der Narro, gmolt vom Gustav Fischer 1907, isch bsunders bekannt worre, weil de domilig Zunftmoester Albert Fischer des i sim
Fasnetbürchle - Villinger Fastnacht - einst und heute - vo 1922, vorne drin hät.
Er sieht fast genau so uus wie de Hansel vo 1822. Wi scheen hängt s Foulard i de Mitte rab, ohne dass er demit rumwedled.
D Uffgab vom Narro isch es Strähle und nit mit eme Fähnele i de Hand spazier laufe.
S Foulard isch am kleine Rollerieme oberhalb vo de Schnalle aabunde.
D Schnalle wird vo de Kappe vedeckt. Generell isch bi de Kleider älles - Unschöne - , wen mer des so sage derf, immer
veschoppt und i iiserm Fall isches de Bändel vom Foulard mitsamt em Schlupf. Die -Norm- isch au hit no gültig.
E Maschgere, wo ebbes uff sich hält, beherzigt des.

Bild 3:


Uugfähr 1935 isch de Narrobrunne vom Eugen Merz gschnitzt worre. Gugged naa, wo s Foulard festgmacht isch!!
Die Brunnefigur isch nit nu für d Touriste doo.

 

Bild 4:


E ganz guets Beispiel, wie de Narro mit sire Maschgere Stroßefasnet macht, zoegt des Bild usem Johr 1956. Do ka de Narro Narro
sii. Älle korrekt noch altem Vorbild aazoge.
D Anonymität isch gewährleistet, weil beide Villingerinne halt au e Scheme uffhän. Statt si Foulard als Segel z setze, hät er e Hand
frei für d Gestik und meh - zum Beispiel bim Strähle. Mer sait jo - mer kaa mit de Händ schwätze - aber nuu wenn mer one frei hät.
Sottige Bilder giits no en Huufe.

Wie ischs i de jetzige Zit?
Stand 2009: Häts e Nachkriegsentwicklung - oder gar Brauchtumsentwicklung gäe?

 

Bild 5:


Isch des en Narr us de spanische Tragödie -Torero-? Oder oner us de Komödie - aller Art -? Amend en Schwizer Fahneschwinger?
Wie au immer : Nit artgerecht, ja sogar artfremd. Soll des alts Brauchtum sii? Wa isch us iserm Narro worre?
Manche mached vorne as Foulard en Knote, damit des - Sottige - nit us de Finger rutscht,
Andere hän e Schleifle us Perlonfade am Foulard damit sis Zipfele nit veliered.
Stellt euch vor - s isch Maschgerelauf - und älles johlt: La Ola, la Ola - jetz kunnt de Narro mit Fulla (Foulard) !
Wenns z Villinge scho so alte Dokumente giit, wo zoeget wie s mit em Foulard war, deno liits do uff de Hand, dass mers au so macht.
Uff die iigeschliche und geckhafte Marotte sott mer glii vezichte.

Bild 6:


Zum Schluss do kunnt de Schönscht. Gugge mer den no aa und bhaltet den i isere Erinnerung. En Narro vo 1930.

Wa wared des für Ziite. 80 Jahr lieged zwische dem Bild und dem Bild 6 vo 2009.
En Genuss, do stimmt älles!
Des isch do en Villinger Hansel der no so uussieht wie de Hansel vo 1822 also iiserm Altvordere vor insgesamt 200 Johr.
De Uffdritt vo de Maschgere soll sirre Würde aagmesse sii. Umfassende und richtige Invormatione sind selli netig.
Unerlässlich isch aber au s Interesse und Veständnis vo de Maschgere selber a iiserm Brauchtum, damit er s richtig pflege
ka und ohne Fälschunge a de Narresome wiiter gäe kaa.

Bi ällere Laufsteg-Mentalität oder Lässigkeit derf iisere Fasnet nit z kurz kumme.

Vortrag (gekürzt) beim Schemeobed 2010
Karl Haas


 

 
Schuhwerk vo de Villinger Maschgere
Am Schemeobed (30. Jänner 2009) wurde von K. Haas ein Vortrag über das "Schuhwerk der Villinger Maschgere" gehalten.
Hierüber eine kleine Zusammenfassung:
Werden Fastnachtsbilder aus der ersten Hälfte des 20 Jh. betrachtet, so fällt auf, dass alle Narros Schnürschuhe getragen haben.
Dies belegen Fotos aus den Jahren 1890 bis in die 1950er Jahre.

Von den mehr als 40 Bildern, hier eine kleine Auswahl:

Bild 1:
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1890

Bild 2:
De Kaiser Karle mit sim Vater ano 1890

 


Bild 3: Narrogruppe, 1929
Bild 4:
Gugget naa, die Poschdur,
des isch en Narro dur un dur.
 

 


Bild 5: Aufnahme aus den 50er Jahren

 

So haben die Schuhe unserer -Altvorderen Narros- ausgesehen.
Das ist insofern merkwürdig, weil in der jetzigen Kleiderordnung der NZV, als Schuhwerk für den Narro, nur die Bodinen erwähnt werden.

Besucht man das Museum beim Wasserschloss in Glatt bei Sulz, so kann man eine interessante Entdeckung machen.
Unter den beim Umbau des Schlosses gefundenen Schuhen befindet sich auch ein Paar Schuhe die denen gleichen, die die
NZV quasi vorschreibt, die sogenannten Bodinen.
Der erklärende Text für die Schuhe in Glatt lautet jedoch: Stiefelette um 1870.


Bild 6: Stiefeletten, Museum Glatt
Was sind nun Bodinen?

Da hat Karl Hoch geforscht und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: Bodiné kommt aus dem französischen und wird wie folgt definiert.
Halbstiefel mit kleinem Absatz, geschnürt oder geknöpft. Er wurde vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jh. getragen.
Genau so, wie sie von einer Villingerin oder vom Murbele getragen werden. Bodine sind somit ausschließlich: Halbstiefel, Stiefeletten.
Anders ausgedrückt: Die heutige Bezeichnung Bodine für die Schuhe vom Narro ist falsch!
Mehr als 90% tragen Zugstiefel - aber eben keine Bodine!
Zugstiefel werden von den Villinger Schuh-Fachgeschäften als solche angeboten.

Warum wurden früher Bodine (=Schnürstiefel) getragen? Die Erklärung ist einfach.
Früher trug der Narro an Fastnacht seine Sonntagsschuhe. Dies waren Schnürschuhe.
Sie konnten damals überall erworben werden, was heutzutage selten ist.
Narros, die Schwierigkeiten mit den Zugstiefeln haben, können auch traditionsgemäß ohne weiteres Schnürschuhe tragen.
Siehe Bilderbelege. Die Farbe muss, wie bei den Zugstiefeln, ebenfalls schwarz sein.
Es ist zu hoffen, dass zukünftig der Tradition entsprechend wieder Bodine (= Schnürstiefel) getragen werden und nicht die
geckhaften Zugstiefel.

 
Bild 7: Zugstiefel
 
Bild 8: Schnürrschuhe (Bodine)

Altvillingerinnen und Murbele können (sollten) Bodinen bzw. Schnürstiefeletten mit kleinem Absatz tragen. Natürlich in schwarz.
Dies ist ebenfalls belegt. In Villingen ist und war es üblich im Winter die Winterschuhe zu tragen. Die Bezeichnung in der
Kleiderordnung "mit flachem Absatz" ist nicht richtig.

 
 

Bild 9 und 10:
Musterschuhe, ca. 90 Jahre alte Schnürstiefeletten mit kleinem Absatz
Bild 11: Zeitgemäßer Vorschlag. Schnürrstiefeletten mit kleinem Absatz

 

Dieser Beitrag soll zur Erhaltung unseres Brauchtums dienen !

 


Links und Veröffentlichungen

 

"Gedanken und Erinnerungen eines Hobby-Schemeschnitzers" Traugott Wöhrlin

 
Hallo liebe Freunde,
anbei die Titelseite meines Büchleins, den "Gedanken und Erinnerungen eines Hobby-Schemenschnitzers". Es ist seit heute im Villinger Buchhandel, hat 88 Seiten,
175 Abbildungen, Format 19x23 cm und kostet   24,90 
Bis bald
T. Wöhrlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Seiten über die historische Fasnet aus dem schwäbisch - alemannischen Raum in:



    Die Adresse von Manfred Hildebrandt lautet:
www.Ansichtskarten-CD.de
   
 

       
www.narren-spiegel.de
 

 

Villinger Wörtersammlung
von Karl Haas
             
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